Foto von Hildegard Burjan
Erzdiözese Wien

Hildegard Burjan - die Selige der Frauenrechte

Die Katholische Frauenbewegung kfb gratuliert der Caritas Socialis zur Seligsprechung ihrer Gründerin Hildegard Burjan am Sonntag, 29. Jänner 2012

Hildegard Burjan: Die Selige der Frauenrechte

Die Katholische Frauenbewegung kfb gratuliert der Caritas Socialis zur Seligsprechung ihrer Gründerin Hildegard Burjan am Sonntag, 29. Jänner 2012, im Wiener Stephansdom. „Burjans Engagement in Politik, Gesellschaft und Kirche ist  Auftrag und Ermutigung für den Einsatz der Frauen von heute“, sagt kfb-Vorsitzende Margit Hauft.

Am Sonntag, 29. Jänner 2012, wird zum ersten Mal im Wiener Stephansdom ein Mensch selig gesprochen. Dass es sich dabei um eine der ersten acht weiblichen Abgeordneten im Parlament der Ersten Republik Österreich handelt, hat große Bedeutung für die Frauenbewegung in Österreich. „Hildegard Burjan setzte sich für die Gleichberechtigung der Frau ein. Schon damals, 1919 bis 1920, forderte sie ‚gleichen Lohn für gleiche Arbeit’ – und das als Gattin eines Fabriksdirektors“, würdigt Margit Hauft, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung kfb, die weitsichtigen Ziele der ersten christlich-sozialen Abgeordneten sowie deren Umsetzungskraft und bedauert gleichzeitig, dass viele der Forderungen auch heute noch aktuell sind.

„Volles Interesse für die Politik gehört zum praktischen Christentum“

Hildegard Burjan war die einzige Frau als Abgeordnete der Christlich-Sozialen im Parlament von 1919 bis 1920. Um soziale Verbesserungen für Frauen zu erreichen, schmiedete sie Allianzen über die Parteigrenzen hinweg – damals wie heute eine ungewöhnliche, aber zielführende Aktion. „Dass sie sowohl politische als auch soziale Arbeit als Teil ihrer Spiritualität verstanden hat, macht sie bis heute zu einer Frau mit Vorbildcharakter“, ehrt kfb-Vorsitzende Margit Hauft die Frau mit den vielen Eigenschaften. Als Deutsche zog Hildegard Burjan (geb. Freund) nach Österreich, als Jüdin wurde sie katholisch, als Ehefrau und Mutter gründete sie eine Schwesterngemeinschaft und leitete sie, als Gattin eines Fabriksdirektors setzte sie ihre Kraft für die Gleichberechtigung von Arbeiterinnen ein, als Politikerin wollte sie gerechte Strukturen für Frauen schaffen.

Fair Trade innerhalb Wiens

„Was nützt es, wenn wir für einen Monat die Miete zahlen, und am nächsten Ersten ist das gleiche Elend?“ fragte sie und gründete einen Verein zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Heimarbeiterinnen, die in Wien Anfang des 20. Jahrhunderts am meisten ausgebeutet wurden. Persönlich kam sie in die Stuben der Heimarbeiterinnen (Wohn-, Arbeits-, Kinder- und Schlafraum in einem) und warb Arbeiterinnen, sich dem Verein anzuschließen. Kranken- und Lebensversicherung, Rechtsschutzversicherung in Arbeitsfragen und eine Arbeitsvermittlung ohne hohe Kosten für Zwischenhändler waren die ersten Ziele des Vereins. Der Verein setzte in kurzer Zeit Mindestlöhne und einen Wöchnerinnenschutz durch. Gleichzeitig appellierte Hildegard Burjan an die kaufkräftigen Kundinnen, nur in Geschäften zu kaufen „von denen man weiß, dass sie ihre Arbeiter anständig bezahlen“.

Frauenförderung in Lateinamerika und Asien

Die Katholische Frauenbewegung engagiert sich heute auf ähnliche Weise auf globaler Ebene. Mit ihrer jährlichen Aktion Familienfasttag fördert sie mehr als 100 Projekte in Asien und Lateinamerika, die Frauen stärken und sie dabei unterstützen, ihre Situation zu  verbessern. Wirtschaftliche Sicherheit, Zugang zu medizinischer Versorgung, Information über Arbeits- und Frauenrechte, Bildung und Ausbildung von Mädchen, … das sind die Schwerpunkte der Förderprogramme der Aktion Familienfasttag. „Hildegard Burjan ist für uns ein gutes Beispiel, dass sich der Einsatz lohnt!“ betont kfb-Vorsitzende Margit Hauft.

Frauen: Gleichberechtigung damals wie heute

Hildegard Burjan, die am Sonntag, 29. Jänner 2012 im Wiener Stephansdom selig gesprochen wird, verlangte als Vertreterin der großen Wiener Frauenorganisationen 1918 „als ersten Schritt des neuen demokratischen Staates (Österreich) das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht aller männlichen und weiblichen Staatsbürger und die sofortige Berufung von Frauen als Beiräte in alle Ausschüsse des Nationalrates“. Als eine der ersten Universitätsabsolventinnen Europas forderte sie den Zugang für Mädchen in alle Schulformen. Als selbst erwerbstätige Mutter setzte sie sich für Chancengleichheit im Berufsleben ein: „Fast nirgends zeigt sich die Verschiebung der Verhältnisse zwischen Mann und Frau so krass wie gerade auf dem Gebiet der Arbeit.“

Katholische Frauenbewegung: Einsatz in Burjans Sinne heute

Burjans Gespür für die größten Nöte ihrer Zeit, ihre Tatkraft und ihr Mut inspirieren Frauen im Jahr 2012. „Der Weg, den Hildegard Burjan als eine der Pionierinnen in Europa eingeschlagen hat, ist noch lange nicht an sein Ende gekommen,“ so Margit Hauft als kfb-Vorsitzende. „Es gilt, ihr geistiges Erbe auch im Sinne der Katholischen Frauenbewegung lebendig zu halten und sich davon für die Aufgaben 2012 inspirieren zu lassen.“

Durch die Seligsprechung empfliehlt die katholische Kirche die regionale Verehrung einer bereits verstorbenen Persönlichkeit.

Hildegard Burjan zitiert nach „Hildegard Burjan“ von Ingeborg Schödl (Wien 2008)

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Monika Slouk
Katholische Frauenbewegung Österreichs | Pressereferentin

Spiegelgasse 3/II
1010 Wien

www.kfb.at

 

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