Foto von Hildegard Burjan
Erzdiözese Wien

Hildegard Burjan als Vorbild für Europa-ParlamentarierInnen

Österreichs Bischöfe eröffnen am 8. November im EU-Parlament in Brüssel eine Sonderausstellung über das politische Wirken der im Jänner seliggesprochenen Caritas Socialis-Gründerin Hildegard Burjan

Mit einer Sonderausstellung über Leben und Wirken der seligen Hildegard Burjan im EU-Parlament in Brüssel sollen die Europapolitiker vom Geist der Politikerin und Ordensgründerin inspiriert werden. Die Ausstellung wird am 8. November unter dem Beisein der österreichischen Bischöfe, die ihre Herbstvollversammlung in Brüssel abhalten, eröffnet werden.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Einsatz Burjans für mehr soziale Gerechtigkeit über alle Parteigrenzen hinweg, wie Sr. Karin Weiler von der Caritas Socialis im "Kathpress"-Gespräch erläutert. Weniger Parteipolitik und mehr gemeinsamer Einsatz für die Sache wäre auch heute ein Gebot der Stunde, nicht nur im EU-Parlament, so Sr. Karin Weiler, die aus Anlass der Ausstellungseröffnung als Vertreterin der Schwesterngemeinschaft Caritas socialis nach Brüssel reist.

Viele Sozialprobleme, die zur Zeit Burjans drängend waren, würden in der einen oder anderen Form auch heute noch einer neuen Lösung bedürfen, ergänzte Diakon Michael Kuhn, Leiter des Büros der Österreichischen Bischofskonferenz in Brüssel.

Die Ausstellung im EU-Parlament ist ab 8. November für eine Woche zu sehen.  

Große Gestalt der christlichen Frauenbewegung

Hildegard Burjan war eine der großen Gestalten der christlichen Frauenbewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am 30. Jänner 1883 als Hildegard Freund in Görlitz/Deutschland in eine liberale jüdische Familie geboren, studierte sie in Zürich Literatur und Philosophie und in Berlin Sozialwissenschaft. Im Jahr 1907 heiratete sie den gebürtigen Ungarn Alexander Burjan. Nach Heilung von einer schweren Krankheit konvertierte sie zur katholischen Kirche.

Burjan setzte sich entschieden für die Gleichberechtigung der Frau, für die Bekämpfung der Kinderarbeit und für die Überwindung sozialer Missstände ein. Viele soziale Rechte für Frauen und Kinder, die heute selbstverständlich sind, gehen auf ihre Initiative zurück. Zu ihren wichtigsten politischen Forderungen zählte schon damals "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" für Frauen.

1912 gründete Burjan den "Verband der christlichen Heimarbeiterinnen" und 1918 den Verein "Soziale Hilfe". Als Frauen 1919 erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten, zog Burjan als erste christlich-soziale Abgeordnete in das österreichische Parlament ein. Am 4. Oktober 1919 gründete sie die religiöse Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", mit dem Auftrag, soziale Not der Zeit zu erkennen und zu lindern. Verbunden mit der CS Schwesterngemeinschaft identifizieren sich heute die Mitglieder des Säkularkreises, ca. 900 hauptamtliche  MitarbeiterInnen, 300 ehrenamtlich Engagierte und Freunde mit der Caritas Socialis.

In drei Pflege- und Sozialzentren bietet die CS in Wien professionelle Pflege und Betreuung für alte und chronisch kranke Menschen an. Geriatrische-, Alzheimer- und MS-Tageszentren, geriatrische Kurz- und Langzeitpflege, spezielle Betreuung für Menschen mit Morbus Alzheimer und Multipler Sklerose (MS), das CS Hospiz Rennweg, Kindergärten und Horte, ein Wohnheim für Mutter und Kind, soziale Beratung, Hauskrankenpflege und Heimhilfe.

Die CS versteht sich als Impulsgeberin für soziale Anliegen, sie entwickelt Modelleinrichtungen mit dem Ziel, diese in das soziale Regelwesen zu überführen. Die Hospizidee ist ein zentrales Anliegen der CS. Schwestern der Caritas Socialis sind in Österreich, Brasilien, Deutschland, Südtirol und Ungarn vertreten.

Hildegard Burjan starb am 11. Juni 1933 an einem schweren Nierenleiden. Am 6. Juni 1963 wurde das Seligsprechungsverfahren eingeleitet. Am 29. Jänner 2012 wurde sie schließlich in Wien selig gesprochen. Ihr Gedenktag ist der 12. Juni.

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