Foto von Hildegard Burjan
Erzdiözese Wien

Solidarität mit Opfern von Menschenhandel - Hildegard Burjan Gespräch 2013

Am 7. November 2013 fand im Amtshaus Hietzing das 17. Hildegard Burjan-Gespräch zum Thema „Frauenhandel - Der tolerierte Skandal?“ statt.

Veranstaltet wurde der Abend von der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, dem Hildegard Burjan Forum unter der Leitung von Prof. Ingeborg Schödl und von der Bezirksvorstehung Hietzing.

Frauenhandel ist eine der extremsten Formen der Ausbeutung seit der Abschaffung der Sklaverei. Jährlich werden allein in Europa rund 500.000 Mädchen und Frauen durch falsche Versprechungen und mit Gewalt zur Prostitution gezwungen. Prof. Ingeborg Schödl und Bezirksvorsteherin Silke Kobald erinnerten in ihren einleitenden Worten an Hildegard Burjan, die als Sozialpionierin und Politikerin an der Bewusstseinsbildung für Missstände in der Gesellschaft gearbeitet hatte. Prof. Schödl plädierte dafür, sich neben Hilfsangeboten und der Einhaltung von Gesetzen auch mit den „Konsumenten" von Zwangsprostitution auseinanderzusetzen. Der "Markt" wird bestimmt von der Nachfrage. Die brutale Ausbeutung von Menschen sei vor allem eine gesellschaftliche Frage.

Auch Hildegard Burjan, die Gründerin der CARITAS SOCIALIS, war mit der Situation des Frauenhandels konfrontiert. Im Mai 1923 nahm sie als österreichische Vertreterin am "Internationalen Mädchenschutzkongress" in der Schweiz teil. Im Rahmen der Bahnhofsmission setzte sie sich verstärkt für den Mädchenschutz in Österreich ein.

Prof. Dr. Roland Girtler, der als Soziologe Gespräche mit Frauen, die als Prostituierte arbeiten und ihren Zuhältern geführt hat, berichtete in seinem Impulsreferat über seine Erfahrungen. Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von Mag. Katharina Reigersberg vom ORF-Landesstudio Wien moderiert. Oberst Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle Bekämpfung Schlepperkriminalität/Menschhandel (BMI) ging in seinem Statement auf die verschiedenen Formen der Ausbeutung ein und beschäftigte sich mit der Frage, ob durch das Verbot oder die weitere Legalisierung der Prostitution die Situation der Ausbeutung besser bekämpft werden könne.

Joana Adesuwa Reiterer nahm als Betroffene an der Diskussion teil. In dem von ihr gegründeten Verein Exit http://www.ngoexit.org/ versucht sie vor allem Frauen aus Nigeria, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, eine neue Perspektive zu erschließen. Engagiert trat sie für präventive Maßnahmen in den Herkunftsländern, aber auch für das Aufzeigen von alternativen Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten für die betroffenen Frauen in Österreich ein.

Sr. Patricia Erber SDS Obfrau des Vereins SOLWODI - Solidarität mit Frauen in Not, der von sechs Ordensgemeinschaften gegründet wurde, berichtete über die Begleitung von betroffenen Frauen in der von SOLWODI gegründeten Schutzwohnung. Es sei ein langer Weg, bis Frauen nach ihren traumatischen Erfahrungen, in der Lage seien, ihre Ausbeutungssituation selbst zu begreifen und bereit seien, gegen die Täter auszusagen. Sr. Susanne Krendelsberger CS Generalleiterin der CARITAS SOCIALIS und Obfrau-Stv. des Vereins SOLWODI, wies auf die lange Tradition der Caritas Socialis in der Unterstützung und Begleitung von Frauen hin, die schon auf Hildegard Burjan zurück gehe. Das Engagement der CS im Rahmen von SOLWODI sei ganz im Sinne Hildegard Burjans, die Menschen umfassend helfen wollte und zu Selbststand und Entwicklung ihrer Möglichkeiten verhelfen wollte.

„SOLWODI Österreich - Solidarität mit Frauen in Not" betreibt in Wien eine Schutzwohnung als Hilfsangebot für Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt und Menschenhandel waren und in der Zwangsprostitution sexuell ausgebeutet wurden.

Derzeit wohnen sieben Frauen und sieben Kleinkinder in der Schutzwohnung. Die Mitarbeiterinnen von "Solwodi Österreich" helfen den Frauen, Deutsch zu lernen, notwendige Dokumente für den Aufenthaltsstatus zu erhalten, sie unterstützen bei der Kinderbetreuung und bei den alltäglichen Schritten zurück in ein autonomes Leben.

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