Foto von Hildegard Burjan
Erzdiƶzese Wien

Ganz für Gott und ganz für die Menschen - 
ein Leben zwischen vielen Spannungspolen

Menschen, die in ihrem späteren Leben entscheidende Werke vollbrachten, waren sich nicht immer von vornherein ihrer Sendung bewusst. Es bedurfte oft erst der Begegnung mit anderen Menschen, der Konfrontation mit neuen geistigen Strömungen oder persönlicher Schicksalsschläge, bis sie die Zielrichtung ihres Lebens erkannten.  

"Gott, wenn du bist - zeige dich mir!"

Auch Hildegard Burjan, die Gründerin der CARITAS SOCIALIS, hatte vorerst eine issenschaftliche Laufbahn vor Augen, bevor ihr über Umwege bewusst wurde, was Gott mit ihr vorhatte, was die Aufgabe ihres Lebens sein sollte. 

Am 30. Jänner 1883 wurde dem Ehepaar Abraham und Berta Freund in Görlitz an der Neisse, damals zu Preussisch-Schlesien gehörend, eine zweite Tochter geboren. Das Mädchen Hildegard wuchs in einer bürgerlichen Mittelstandsfamilie auf, jüdischer Abstammung, aber konfessionell nicht gebunden. Berufliche Gründe führten die Familie 1895 von Görlitz nach Berlin und 1899 in die Schweiz.

Hildegard entwickelte sich zu einer nach hohen Idealen strebenden Persönlichkeit. Sie war, wie viele junge Menschen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, auf der Suche nach Zielen, nach Idealen, nach etwas Großem. 1903 maturierte sie in Basel und begann mit dem Studium der Germanistik an der Universität Zürich. Sie besuchte zusätzlich auch philosophische Vorlesungen, denn sie hatte viele Fragen – nach dem Sinn des Lebens, nach Wahrheit ... – und suchte nach Antworten. Über den Philosophen Robert Saitschik und den Friedensforscher Friedrich Foerster wurde sie erstmals mit christlichem Gedankengut konfrontiert.