Foto von Hildegard Burjan
Erzdiƶzese Wien

Soziale Pionierarbeit: 
"Heimarbeiterinnenmutter von Wien"

"Mit Geld oder Kleinigkeiten ist einem Menschen nicht geholfen, man muss ihn von vornherein wieder auf die Füße stellen und ihm auch wieder die volle Überzeugung geben: Ich bin jemand, und ich kann etwas leisten."

  

Wien um die Jahrhundertwende. Eine Stadt voll pulsierenden Lebens. Geistiger Mittelpunkt der Donaumonarchie. Nicht auf alle fiel von diesem Glanz etwas ab. Arbeiter und Kleingewerbetreibende schützte kein "soziales Netz". Krankheit oder Arbeitslosigkeit bedeuteten für sie den Absturz ins Elend. Besonders betroffen waren Heimarbeiterinnen, meist in der Textilbranche tätig.

Um auf einen Wochenverdienst von zwölf Kronen zu kommen, der gerade zum Leben reicht, mussten täglich fünfzehn Stunden gearbeitet werden. Hildegard Burjan erkannte, welchen politischen Zündstoff die Rechtlosigkeit dieser Menschen in sich birgt. Sie begann sich bereits 1910, kaum in Wien sesshaft, intensiv mit der »Sozialen Frage« auseinander zu setzen und entwickelte ein Konzept, das von einem neuen Ansatzpunkt ausging. Heute würde man dies »Hilfe zur Selbsthilfe« nennen. Ungewöhnlich für das damalige soziale Verständnis war, wie sie dies in Angriff nahm. Sie suchte die Frauen in ihren Wohnungen gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen auf, die sie für ihr Anliegen zu begeistern verstand. Sie machte die Heimarbeiterinnen auf ihre Rechte aufmerksam
und entwarf gemeinsam mit ihnen einen Forderungskatalog zur Verbesserung der Situation.

Am 13. Dezember 1912 wurde der »Verein der christlichen Heimarbeiterinnen« in Wien gegründet. Hildegard Burjan organisierte für die Mitglieder Großaufträge, schaltete damit die Zwischenhändler aus und erreichte dadurch auch bessere Löhne. Den Mitgliedern wurde geboten: Wöchnerinnenschutz, Unterstützung im Krankheits- und Sterbefall, Rechtsschutz sowie Fortbildungsmöglichkeiten und Schulungen.