Foto von Hildegard Burjan
Erzdiƶzese Wien

Das "Gewissen des Parlaments" - 
erste Christlich-Soziale Abgeordnete


"Religiöse Vereinigungen allein genügen heute nicht... Wir müssen eine geschlossene Macht darstellen, wenn wir nicht zusehen wollen, wie über unsere Köpfe hinweg regiert und zerstört wird ...Volles Interesse für die Politik gehört zum praktischen Christentum."

 

HB Christliche Abgeordnete
Christlich-soziale Abgeordnete © CS

 

Der Erzbischof von Wien, Kardinal Friedrich Gustav Piffl, nannte sie das »Gewissen des Parlaments«, und der Führer der christlich-sozialen Partei, der Priester Dr. Ignaz Seipel, sagte von ihr: Ich habe keinen Mann mit ausgeprägterer politischer Begabung, mit feinerem Fingerspitzengefühl gesehen als diese Frau.

Am 24. November 1918 leitete Hildegard Burjan als Vorsitzende die erste politische Versammlung christlicher Frauen. Ihr Instinkt sagte ihr, dass das politische Engagement der Frauen nun ebenfalls dringend notwendig sei. Mit der neuen Wahlordnung vom 21. Oktober 1918 erhielten erstmals auch die Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Sie konnten sich nun selbst für ihre Rechte in der Arbeitswelt und auf dem Bildungssektor einsetzen.

Am 3. Dezember 1918 zog Hildegard Burjan in den Gemeinderat ein und wurde Stellvertreterin des Obmannes der Christlich-Sozialen, des großen Arbeiterführers Leopold Kunschak.

Aufgrund ihrer politischen Kompetenz nominierte man sie auch als Kandidatin für die ersten Wahlen der neuen Republik zur »konstituierenden deutschösterreichischen Nationalversammlung«. Man erhoffte sich, durch ihre Person besonders die erstmals wählenden Frauen anzusprechen. Infolge ihrer angegriffenen Gesundheit und ihrer familiären Pflichten hatte sie Bedenken, das Angebot anzunehmen. Ihre Zusage war letztlich aber von ihrem großen sozialen Engagement vor allem für die Randgruppen der Gesellschaft und von ihrem Einsatz für die Rechte der Frauen bestimmt.

Als Christin fühlte sie sich verpflichtet, den an sie ergangenen Auftrag anzunehmen, denn sie sah die Möglichkeit, auch durch die politische Tätigkeit etwas zur Verbesserung der Lebensbedingungen dieser Menschen beizutragen. Gott schenkte ihr die Fähigkeiten dafür, und sie erachtete es daher als ihre Aufgabe, sich diesem Auftrag zu stellen.