Foto von Hildegard Burjan
Erzdiözese Wien

Lebensschutz

Dr.Gertraude Steindl, Vizepräsidentin der AKTION LEBEN:

Hildegard Burjan eine Patronin für den Lebensschutz

Für eine Lebensschutzbewegung wie die Aktion Leben ist Hildegard Burjan  eine vorbildliche, starke Frau. Mehr noch: In ihrem Denken und Handeln wird eine große geistige Nähe zur viel später agierenden Aktion Leben spürbar. Das Werk, das Hildegard Burjan zur Unterstützung lediger alleinstehender Mütter mit Kindern ins Leben rief, war mutig und vorausschauend und zählt auch heute noch zu den beispielgebenden sozialen Taten. In ihrer Einstellung zum Lebensschutz  war sie kompromisslos, es ging ihr immer um den Schutz von Mutter und Kind und darum, dass die eigenen Ressourcen der Frauen gestärkt werden, damit sie wieder Boden unter den Füßen bekommen..  

Erfüllt von unbeirrbarem Gottvertrauen hat Hildegard Burjan ein feinfühliges Sensorium entwickelt für Nöte ihrer Zeit, die andere übersehen wollten oder auch einfach übersehen haben. So hat sie sich zu einer Zeit, in der es von der Umgebung als Schande betrachtet wurde, ledig ein Kind zu bekommen, gerade um junge alleinstehende  Mütter und ihre Kinder in besonderer Weise angenommen. Nicht wenige ledige schwangere Frauen starben an illegalen Schwangerschaftsabbrüchen. Kindstötungen, Kindesweglegungen und Selbstmorde waren an der Tagesordnung.

Hier konnte und wollte Hildegard Burjan nicht wegschauen, nicht tatenlos zuschauen. Sie ließ sich von der Not dieser Frauen berühren und half jenen, die trotz schwierigster materieller Umstände ihre Kinder zur Welt brachten. Im Herbst 1924 richtete sie in der Hütteldorferstraße in Wien eine Mutter-Kind-Wohnstätte ein, in der junge Mütter rund um die Geburt in sicheren und betreuten Verhältnissen einige Monate leben konnten. Unter der Obhut von Schwestern der CARITAS SOCIALIS fanden hier im Laufe der Jahre hunderte Frauen Unterkunft. Mit dieser Überbrückungshilfe hat Hildegard Burjan Mütter in einer entscheidenden Lebensphase unterstützt und ihren Kindern den Start ins Leben erleichtert. 

Noch heute betreibt die Schwesterngemeinschaft in Wien eine Mutter-Kind-Wohn-Einrichtung, die mit hoher sozialarbeiterischer und pastoraler Kompetenz jungen Müttern hilft, die erste Zeit mit dem Kind in einem geschützten Rahmen zu verbringen ehe sie wieder selbständig wohnen.

Was für Hildegard Burjan ein selbstverständlicher, weil not-wendiger Akt der Nächstenliebe war, wurde in sogenannten frommen Kreisen als Förderung der Unmoral denunziert. Dies konnte Hildegard Burjan jedoch nicht aufhalten, ein Folgeproblem zu lösen: Die jungen alleinstehenden Mütter brauchten, wenn sie wieder Arbeit gefunden hatten, Kinderbetreuungsplätze. Und so gründete sie auch diese für die damalige Zeit höchst innovativ - eine Kinderkrippe, in der Kinder im Alter zwischen zwei Monaten und fünf Jahren Aufnahme und liebevolle Betreuung durch CS-Schwestern fanden.      

Jahre zuvor, Hildegard Burjan war nach monatelangem Krankenhausaufenthalt endlich genesen, war sie selbst mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch konfrontiert worden. Ärzte hatten ihr aus medizinischen Gründen dringend davon abgeraten, ihre Schwangerschaft auszutragen. Schwangerschaft und Geburt könnten ihr das Leben kosten. Für Hildegard Burjan aber war das keine Lösung. Sie wollte das Kind auf jeden Fall bekommen. Im festen Vertrauen darauf, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, wurde am 10. August 1910 ihre Tochter Elisabeth geboren.   


Lit.: Ingeborg Schödl: Hildegard Burjan. Frau zwischen Politik und Kirche. Wiener Dom Verlag 2008.