Foto von Hildegard Burjan
Erzdiözese Wien

Politik

"Volles Interesse für die Politik gehört zum praktischen Christentum."

Kardinal Friedrich Piffl nannte Hildegard Burjan das Gewissen des Parlaments.

Möge die Frau, der man gewöhnlich vorwirft, dass sie zu persönlich ist, zu wenig Sachlichkeit aufbringe, im neuen Abgeordnetenhaus zeigen, dass sie nicht von Gefühlen und momentanen Eindrücken hin- und her geworfen wird, sondern über alles Persönliche hinaus, in ernster, klarer Verstandesarbeit auch bei politischen Streitfragen die Frauenwürde zu wahren weiß. Möge daher mit dem Einzug der Frau der gehässige, persönlich aggressive Ton verschwinden, der uns Frauen bisher die Politik so sehr verleidet hat. Nicht einer Verwischung der Parteiunterschiede rede ich das Wort, sondern der Achtung vor dem sachlichen Gegner. Je fester ein Mensch von seiner Weltanschauung überzeugt und durchdrungen ist, je mehr ihm seine Gesinnung heiligste Herzenssache ist, desto ruhiger erträgt er andere Meinungen, desto mehr sucht er überall das Versöhnende, Verbindende heraus und ignoriert bei gemeinsamer Arbeit das Trennende. () Die über allen Parteiunterschieden stehende Not wird die Frauen der verschiedensten Weltanschauungen zu gemeinsamer Frauenarbeit zusammenführen. Wir Frauen wollen nicht unsere beste Kraft verbitternden, fruchtlosen Parteikämpfen opfern, sondern praktische, die Gesamtheit fördernde Arbeit leisten. Wir brauchen den Geist des Friedens und der Versöhnung in sachlicher, uneigennütziger Arbeit, nur dann wird die neue Nationalversammlung das Fundament eines glücklichen Deutschösterreich werden.
(Reichspost 20. Februar 1919 Die Frauen und die Nationalversammlung)

Man muss überzeugt sein, dass in jedem Menschen eine gute Seite ist und man muss sich bemühen, sie herauszufinden und daran anzuknüpfen. Das hilft mir ungemein bei meiner parlamentarischen Tätigkeit.
"Neben aller Begeisterung und gefühlsmäßiger Liebe sollte in unserer Arbeit die Klugheit und Politik im großen Sinne und der Verstand sprechen. Wir müssen kluge soziale Arbeit leisten neben der von Herzensbegeisterung getragenen."
(Caritasjahr 1925)

Am meisten gedient wird unserem armen Volke sein, wenn eine ehrliche Zusammenarbeit der staatlichen Wohlfahrtspflege, die natürlich gar keinen Parteienstandpunkt kennen darf, mit den privaten Wohlfahrtseinrichtungen stattfindet.
19. 5. 1920

Volles Interesse für die Politik gehört zum praktischen Christentum.

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